Ab dem 17. Oktober 2027 dürfen Rinse-off-Kosmetika — also alle Produkte, die Du beim Duschen oder Baden wieder abwäschst — in der EU kein bewusst zugesetztes Mikroplastik mehr enthalten [1]. Das klingt nach einem technischen Detailproblem für Chemiker. Es ist aber die grösste regulatorische Weichenstellung für den Körperpflege-Markt seit Jahren — und sie betrifft direkt das, was Du täglich beim Duschen in der Hand hältst: Deine Bürste, Dein Seifensäckchen, Dein Peeling-Produkt.
Was genau fällt unter das Verbot? Welche Borsten-Materialien sind problematisch? Und wie sieht die logische Alternative aus, die ohnehin schon das Bessere ist — nicht wegen eines Gesetzes, sondern wegen ihrer Eigenschaften? Das klären wir hier, sachlich und vollständig. Ausgangspunkt: Die Verbraucherzentrale Hamburg hat analysiert, welche Alltagsprodukte ab 2027 genau betroffen sind — und die Antwort ist konkreter, als die meisten ahnen.
Das Wichtigste in Kürze:
- Ab 17. Oktober 2027 verbietet die EU bewusst zugesetztes Mikroplastik in Rinse-off-Kosmetika (Verordnung EU 2023/2055 [1]).
- Nylon-Borsten geben beim Bürsten Mikroplastik ab – gemessen an Zahnbürsten, nicht an Bade- oder Körperbürsten [8] — und sind noch nicht direkt reguliert.
- Tampico-Faser und Naturborsten sind die Alternativen zu Nylon-Borsten, das GOTS-Seifensäckchen aus Bio-Leinen die Alternative zum Kunststoffnetz — QUOALA verwendet sie von Anfang an.
Gut zu wissen: Unser GOTS-zertifiziertes Seifensäckchen aus Bio-Leinen, Baumwolle und Elasthan ist das einzige Produkt im Sortiment, das Made in Italy ist und das GOTS-Siegel trägt. Was das genau bedeutet und warum GOTS strenger ist als Bio-Labels, erklären wir im Artikel GOTS im Detail: Das Reinheitsgebot für Textilien.
Inhalt dieses Artikels:
- 1. Was die EU genau verbietet — Verordnung, Zeitplan, Begriffe
- 2. Welche Körperpflege-Produkte konkret betroffen sind
- 3. Das Nylon-Borsten-Problem: Wie Plastik-Bürsten zu Mikroplastik werden
- 4. Was die Forschung zu Mikroplastik und Haut sagt
- 5. Die QUOALA-Antwort: Tampico, Naturborsten, GOTS-Textil
- 6. Seifenstück statt Plastikflasche: Die einfachste Umstellung im Bad
- 7. Checkliste: Was beim Kauf einer Bürste ohne Kunststoffborsten wirklich zählt
- 8. Häufig gestellte Fragen
1. Was die EU genau verbietet — Verordnung, Zeitplan, Begriffe
Am 25. September 2023 verabschiedete die EU-Kommission die Verordnung (EU) 2023/2055, die auf Grundlage der REACH-Chemikalienverordnung synthetische Polymerpartikel unter 5 mm beschränkt — besser bekannt als bewusst zugesetztes Mikroplastik [1]. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hatte zuvor, bereits 2019, wissenschaftlich nachgewiesen, dass diese Partikel eine ernste Umweltbedrohung darstellen, die durch freiwillige Massnahmen nicht ausreichend kontrolliert werden kann [3].
Die Verordnung trat am 17. Oktober 2023 in Kraft — aber mit gestaffelten Übergangsfristen, die je nach Produktkategorie unterschiedlich lang sind.
Der Zeitplan im Überblick
| Datum | Betroffene Produkte |
|---|---|
| Oktober 2023 | Loser Kunststoff-Glitter, Mikroperlen in Peelings |
| 17. Oktober 2027 | Abwaschbare Kosmetika (Rinse-off) — Duschgels, Shampoos, Schaumbäder und alle synthetischen Partikel ausser Peelingmittel |
| 17. Oktober 2029 | Verbleibende Kosmetika (Leave-on) — Cremes, Haargele, Lotionen |
| 2031–2035 | Make-up, Lippenpflege, Nagellack — Kennzeichnungspflicht, dann Verbot |
Der Begriff bewusst zugesetztes Mikroplastik ist entscheidend: Die Verordnung zielt auf Partikel, die einem Produkt absichtlich hinzugefügt werden — nicht auf solche, die bei mechanischer Abnutzung entstehen. Aber genau hier liegt eine Grauzone, die für Körperpflege-Bürsten hochrelevant ist.
2. Welche Körperpflege-Produkte konkret betroffen sind
Das EU-Verbot trifft in erster Linie flüssige und cremige Produkte mit synthetischen Partikeln — Peelings mit Polyethylen-Kügelchen, Scrubs mit Nylonpulver, schimmernde Duschgels mit Kunststoff-Glitter. Was weniger diskutiert wird: Die Problematik betrifft auch Körperpflege-Werkzeuge — also die Bürsten, Schwämme und Peelingtücher, die Du täglich im Kontakt mit Wasser benutzt.
Besonders verbreitet im Massenmarkt: Nylon-Borsten-Bürsten, Nylon-Seifensäckchen, PET-Peelingtücher und Kunststoff-Körperbürsten.
3. Das Nylon-Borsten-Problem: Wie Plastik-Bürsten zu Mikroplastik werden
Nylon ist ein synthetisches Polyamid. Nylonborsten gaben beim simulierten Putzen Mikroplastik ab – gemessen an Zahnbürsten, nicht an Haar- oder Körperbürsten [8]. Wie Mikroplastik den Menschen erreicht – über Nahrung, Atemluft und Hautkontakt –, fasst eine Übersichtsarbeit zusammen [2].
Nylon-Borste (synthetisch)
Hergestellt aus Polyamid 6 oder 6,6, einem Erdolderivat. Gibt bei mechanischer Reibung Mikrofragmente ab. Nicht kompostierbar, nicht biologisch abbaubar.
Tampico-Faser (pflanzlich, vegan)
Gewonnen aus den Blättern der mexikanischen Agave (Agave lechuguilla). Pflanzliche Zellulose, biologisch abbaubar. Gibt bei Abnutzung keine synthetischen Partikel ab.
Tier-Naturborsten (tierisch)
Wildschweinborsten, Rosshaar und Schweineborsten bestehen aus Keratin. Sie geben bei Abnutzung biologisch abbaubare Keratinfragmente ab — kein synthetisches Polymer.
Dasselbe gilt für Seifensäckchen: Ein synthetisches Nylon-Seifennetz setzt bei jedem Gebrauch Mikrofasern frei — eine Unterform von Mikroplastik, die in Studien besonders häufig in Gewässern und Meeressedimenten nachgewiesen wird. Gemessen wurde das an synthetischen Textilien beim Waschen, nicht an Seifennetzen oder Bürsten [4].
4. Was die Forschung zu Mikroplastik und Haut sagt
Die gesundheitliche Forschung zu Mikroplastik steht noch am Anfang — aber die ersten Befunde sind bemerkenswert genug, um ernst genommen zu werden [5].
Eine 2024 veröffentlichte Laborstudie an künstlichen 3D-Hautmodellen zeigte, dass Flammschutzmittel aus Mikroplastik-Partikeln (Polyethylen, Polypropylen) in die Haut übergehen können: Bis zu 8 % der aufgebrachten Menge wurden in der Haut verfügbar, auf verschwitzter Haut mehr als auf trockener. Gemessen an einem Hautmodell, nicht an einer Bürste [6]. Was die ECHA 2019 zusammenfasste: Jährlich gelangen durch absichtlich zugesetztes Mikroplastik schätzungsweise 42.000 Tonnen synthetische Partikel in die Umwelt [3].
Wichtige Einschränkung: Direkte kausale Beziehungen zwischen Mikroplastik-Exposition durch Körperpflege-Bürsten und klinischen Gesundheitsschäden beim Menschen sind derzeit wissenschaftlich noch nicht belegt. Das Vorsorgeprinzip spricht dennoch dafür, unnötige Exposition zu minimieren — besonders wenn gleichwertige Naturmaterialien verfügbar sind.
5. Die QUOALA-Antwort: Tampico, Naturborsten, GOTS-Textil
QUOALA hat nie synthetische Borsten verwendet. Das war von Anfang an eine Materialentscheidung — nicht eine Reaktion auf das Verbot. Der Holzgriff besteht aus FSC-zertifiziertem Buchenholz, gefertigt in einem Familienbetrieb in Deutschland [7].

Die Badebürsten im Sortiment verwenden drei Borsten-Materialien: Tampico-Faser (vegan, hart — pflanzliche Agavenfaser aus Mexiko), Rosshaar + Tampico (mittel) und Schweineborsten (weich, für empfindliche Haut).
Keine Borsten aus Polyamid oder einem anderen synthetischen Polymer, sondern Borstenmaterialien, die sich beim Abrieb biologisch abbauen. Der Holzgriff aus FSC-Buche ist in einem Familienbetrieb in Deutschland gefertigt — kurze Lieferkette, keine anonyme Massenproduktion.
Das Seifensäckchen aus GOTS-zertifiziertem Bio-Leinen / Baumwolle / Elasthan gibt keine Nylon-Mikrofasern ins Abwasser ab.
6. Seifenstück statt Plastikflasche: Die einfachste Umstellung im Bad
Das Mikroplastik-Verbot betrifft Flüssigseife und Duschgel aus der Plastikflasche gleich zweifach: erstens wegen synthetischer Partikel in der Formulierung, zweitens wegen der Plastikflasche selbst. Die sauberste Lösung ist die älteste: das feste Seifenstück.
Das feste Seifenstück erlebt gerade ein starkes Comeback — nicht aus Nostalgie, sondern weil die Argumente überzeugend sind:
- Kein Plastik. Kein Pumpspender, kein Fläschchen, kein Deckel. Ein festes Seifenstück verpackt sich in Papier oder bleibt ganz ohne — Zero Waste im Wortsinn.
- Hält deutlich länger. Ein gutes Seifenstück übertrifft das Volumenäquivalent einer 300-ml-Flasche flüssiger Seife. Weniger Einkäufe, weniger Verpackungsmüll.
- Keine problematischen Zusatzstoffe. Hochwertige feste Seifen verzichten auf Konservierungsmittel, die in Flüssigformulierungen nötig sind, weil eine wasserfreie Basis stabiler ist.
- Das Seifensäckchen macht den Unterschied. Feste Seife direkt in der Hand zu schaumig aufzutragen, ist mühsam. Im QUOALA Seifensäckchen aus Bio-Leinen schaumt das Seifenstück sofort auf, exfoliert gleichzeitig sanft die Haut — und das Seifenstück trocknet im Netz zwischen den Anwendungen optimal ab, statt in einer Pflatsche auf dem Seifenhalter zu liegen.

Das QUOALA Seifensäckchen
Bio-Leinen 70 % / Baumwolle 20 % / Elasthan 10 %. Gefertigt in einem GOTS-zertifizierten Familienbetrieb in Italien. Passt für jedes handelsübliche Seifenstück.
Das Leinen schaumt das Seifenstück effizient auf — besser als jeder Schwamm aus Kunststoff — und pflegt die Haut durch seinen leicht exfolierenden Charakter zusätzlich.
7. Checkliste: Was beim Kauf einer Bürste ohne Kunststoffborsten wirklich zählt
Der Markt für natürliche Körperpflege-Bürsten ist gross und unübersichtlich. Hier sind die Punkte, die tatsächlich relevant sind:
- Borsten-Material explizit angegeben? Tampico, Sisal, Wildschweinborste, Rosshaar, Schweineborste sind Naturmaterialien. „Nylon“, „Polyamid“, „synthetisch“ sind Plastik.
- Griff aus Holz oder Plastik? FSC-zertifiziertes Holz ist die nachhaltige Wahl.
- Seifensäckchen: Material prüfen. „Netz“ oder „Mesh“ = meist Polyester oder Nylon. Bio-Baumwolle, Leinen oder GOTS-zertifiziertes Textil ist die Alternative aus Naturfasern.
- Vegan oder tierisch? Tampico und Sisal sind vegan. Wildschweinborste, Rosshaar und Schweineborste sind tierische Naturmaterialien — kein Mikroplastik, aber je nach persönlicher Entscheidung relevant.
Die EU-Verordnung von 2023 adressiert bewusst zugesetztes Mikroplastik in Produktformulierungen. Die mechanische Abnutzung von Körperpflege-Werkzeugen aus synthetischem Material ist damit noch nicht geregelt. Die Entscheidung, naturmaterialbasierte Bürsten zu wählen, liegt beim Konsumenten.
8. Häufig gestellte Fragen
Was verbietet die EU-Mikroplastik-Verordnung 2027 konkret?
Die EU-Verordnung REACH Annex XVII (Eintrag 78) verbietet ab Oktober 2027 das absichtliche Hinzufügen von Mikroplastik-Partikeln zu Rinse-off-Kosmetika. Betroffen sind synthetische Polymer-Partikel unter 5 mm.
Sind Nylon-Borsten in Badebürsten direkt vom Verbot betroffen?
Nicht direkt. Die Verordnung beschränkt Mikroplastik, das Produkten absichtlich zugesetzt wird; Bürstenborsten nennt sie nicht. Nylon-Borsten geben beim Bürsten aber Mikroplastik ab – gemessen an Zahnbürsten, nicht an Körperbürsten [8].
Was ist Tampico-Faser und warum ist sie eine Alternative zu Nylon?
Tampico ist eine Pflanzenfaser aus dem Agavengewächs Agave lechuguilla. Sie besteht aus natürlicher Zellulose — keine synthetischen Polymere.
Warum ist ein festes Seifenstück besser als Flüssigseife?
Kein Plastik-Packaging, längere Haltbarkeit, weniger Abfall. Im QUOALA Seifensäckchen aus Bio-Leinen schaumt das Seifenstück sofort auf und pflegt gleichzeitig durch die exfolierende Textur des Leinens.
Wie erkenne ich beim Kauf, ob eine Bürste Kunststoffborsten hat?
Drei Kriterien: (1) Borsten-Deklaration — Tampico, Rosshaar oder Schweineborste drauf? (2) FSC-Holzgriff. (3) Zertifizierung — FSC oder GOTS.
Quellen und weiterlesen
Wissenschaftliche Belege
- Europäische Kommission (2023), Verordnung (EU) 2023/2055 zur Beschränkung synthetischer Polymermikropartikel, Amtsblatt der EU L 238. Beschränkt Mikroplastik, das Produkten absichtlich zugesetzt wird; Übergangsfrist für Rinse-off-Kosmetika bis 17. Oktober 2027. Einordnung S67 · Quelle
- Li, Tao, Wang, Wang, Li & Song (2023), Potential Health Impact of Microplastics: A Review of Environmental Distribution, Human Exposure, and Toxic Effects, Environment & Health. Übersichtsarbeit: Mikroplastik gelangt über Nahrung, Atemluft und Hautkontakt zum Menschen. Einordnung S87 · Quelle
- ECHA (2019), Annex-XV-Dossier zu absichtlich zugesetztem Mikroplastik, zitiert in Verordnung (EU) 2023/2055, Erwägungsgrund 8. Schätzung: mehr als 42 000 Tonnen absichtlich zugesetztes Mikroplastik pro Jahr in der Umwelt. Einordnung S67 · Quelle
- Akyildiz, Fiore, Bruno, Sezgin, Yalcin-Enis, Yalcin & Bellopede (2024), Release of microplastic fibers from synthetic textiles during household washing, Environmental Pollution. Synthetische Textilien geben beim Waschen Mikrofasern ab; gemessen an Textilien, nicht an Bürsten. Einordnung S88 · Quelle
- Han & Kim (2025), Microplastics in Cosmetics: Emerging Risks for Skin Health and the Environment, Cosmetics. Übersichtsarbeit zu möglichen Risiken von Mikroplastik in Kosmetik für die Haut. Einordnung S90 · Quelle
- Akpojevwe Abafe, Harrad & Abou-Elwafa Abdallah (2024), Assessment of human dermal absorption of flame retardant additives in polyethylene and polypropylene microplastics using 3D human skin equivalent models, Environment International. Flammschutzmittel aus PE/PP-Mikroplastik gingen in ein 3D-Hautmodell über; keine Bürste untersucht. Einordnung S89 · Quelle
- FSC International (2024), FSC-Standards für zertifiziertes Holz und Produktkennzeichnung. FSC-Zertifizierung für Holz aus verantwortungsvoll bewirtschafteten Wäldern. Einordnung S14 · Quelle
- Öztürk Aytulun et al. (2025), Preliminary results on microplastic release from commercial toothbrushes during simulated brushing, Microchemical Journal. Nylonborsten gaben beim simulierten Putzen Mikroplastik ab; gemessen an Zahnbürsten, nicht an Haar- oder Körperbürsten. Einordnung S68 · Quelle
Externe Fachliteratur (Weiterlesen)
- Verbraucherzentrale Hamburg, Ratgeber: In welchen Produkten Mikroplastik bald verboten ist. Verbraucherportal, keine Studie. vzhh.de
- Europäische Chemikalienagentur (ECHA), Themenseite Mikroplastik: Hintergrund und Stand der Regulierung (Englisch). echa.europa.eu



















