«100 Bürstenstriche am Tag» – diesen Rat kennen viele noch von der Grossmutter. Aber ist Haare bürsten überhaupt gesund? Und wie oft ist gut? Die ehrliche Antwort ist unspektakulärer als der Mythos: Bürsten hat einen echten Nutzen und kostet das Haar jedes Mal ein wenig. Wer das weiss, bürstet gezielter und kürzer.
Das Wichtigste auf einen Blick
Haare bürsten ist gesund, wenn Du es kurz und sanft machst. Eine tierische Borste verteilt das hauteigene Fett von der Kopfhaut in die Längen [1]. Gleichzeitig trägt jedes Bürsten etwas von der schützenden Fettschicht ab und kann Haare brechen [2] [3]. Deshalb gilt: so oft wie nötig, nicht öfter. Die 100 Striche sind ein Mythos, und gegen Haarausfall hilft Bürsten nicht.
Inhalt
1. Ist Bürsten gut für die Haare?
Ja, in Massen. Bürsten hat zwei belegte Seiten, und beide gehören zur ehrlichen Antwort.
Was Bürsten bringt
Es verteilt das hauteigene Fett. Die Kopfhaut bildet Talg (Sebum), die Haarlängen nicht. Tierische Borsten haben dieselbe Schuppenstruktur wie Menschenhaar: Sie nehmen den Talg an der Kopfhaut auf und verteilen ihn entlang des Haars [1]. Das ist der Grund, warum Haar nach dem Bürsten mit einer Naturborste glänzt, ganz ohne Produkt.
Es entwirrt und ordnet. Und viele empfinden das Bürsten der Kopfhaut als angenehm. Gemessen ist eine Stresssenkung durch Kopfhautmassage bisher mit den Händen, nicht mit der Bürste [5].
Was Bürsten kostet
Jedes Bürsten trägt etwas Schutz ab. Auf der Haaroberfläche liegt eine feine Fettschicht. Bürsten und Kämmen beschleunigen ihren Verlust, das Haar reibt danach stärker [2].
Bürsten bricht Haare. Im Labor verursachte Bürsten ähnlich viel Haarbruch wie Kämmen, vor allem dort, wo sich Haarschlaufen verhaken [3]. Ganz vermeiden lässt sich das nicht; sanft und von den Spitzen her bricht am wenigsten [3] (siehe Abschnitt 5).
Zusammenfassung: Ist Haare bürsten gesund?
Bürsten verteilt Talg in die Längen und entwirrt. Es kostet aber jedes Mal etwas Schutzschicht und kann Haare brechen. Gesund ist Bürsten deshalb dann, wenn es kurz und sanft bleibt.
2. Wie oft solltest Du Haare bürsten?
So oft wie nötig, nicht öfter. Eine Studie, die eine ideale Anzahl Striche festlegt, gibt es nicht. Es gibt aber eine klare Richtung: In einer kleinen Studie mit 14 Frauen fielen weniger Haare aus, wenn seltener gebürstet wurde [4]. Zusammen mit dem Abrieb der Schutzschicht [2] heisst das: kürzer ist besser als länger.
Für die meisten Haartypen reicht in der Praxis:
- Morgens einmal durchbürsten, um zu entwirren und den Talg zu verteilen.
- Abends bei Bedarf, wenn das Haar verknotet ist oder Du den Tag «herausbürsten» willst.
- Langsam statt schnell. Etwa eine Handbreit pro Sekunde wird als besonders angenehm empfunden [6], und langsame Züge verhaken weniger.
Fettiger Ansatz? Dann bürste den Talg mit der tierischen Borste bewusst in die Längen [1]. Trockene, strapazierte Längen? Dann eher weniger und besonders sanft [8].
Zusammenfassung: Wie oft Haare bürsten?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Ein- bis zweimal täglich kurz und langsam reicht für die meisten. Seltener bürsten hiess in der Studie weniger ausgefallene Haare.
3. Der Mythos der 100 Bürstenstriche
Die 100 Striche versprechen langes, glänzendes Haar. Belegt ist das nicht, eher das Gegenteil. Mehr Striche heissen mehr Abrieb an der Schutzschicht [2], mehr Gelegenheiten für Haarbruch [3] und, in der erwähnten Studie, mehr ausgefallene Haare [4].
Der wahre Kern des Mythos: Eine tierische Borste verteilt tatsächlich Talg und bringt so Glanz [1]. Dafür braucht es aber keine 100 Züge, sondern ein paar ruhige Züge von der Kopfhaut bis in die Spitzen.
Zusammenfassung: 100 Bürstenstriche
Kein Beleg für die 100 Striche. Glanz kommt von der Talgverteilung durch die tierische Borste, und dafür genügen wenige ruhige Züge.
4. Hilft Bürsten gegen Haarausfall?
Nein. Es gibt keinen Beleg, dass Bürsten Haarausfall verhindert oder das Haarwachstum beschleunigt.
Wichtig zur Einordnung: Haare in der Bürste sind meist kein Grund zur Sorge. Laut dem US-Dermatologenverband ist es normal, 50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren [10]. Nicht jedes Haar in der Bürste ist ein Warnsignal. Und wer seltener bürstet, findet darin weniger Haare [4].
Wann Du zur Ärztin oder zum Arzt gehen solltest: wenn Dir über Wochen deutlich mehr Haare ausfallen als sonst, sich lichte Stellen zeigen oder die Kopfhaut juckt, schuppt oder schmerzt. Das gehört in dermatologische Hände, nicht in die Bürstenroutine [10].
Zusammenfassung: Haarausfall
Bürsten hilft nicht gegen Haarausfall und lässt Haar nicht schneller wachsen. 50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren ist normal.
5. So bürstest Du schonend
Ganz ohne Haarbruch geht Bürsten nicht. Diese fünf Schritte schonen Dein Haar:
- Trocken bürsten. Nasses, warmes Haar gibt früher nach [7]. Der US-Dermatologenverband empfiehlt für nasses Haar einen grobzinkigen Kamm statt einer Bürste [11]. Wenn Du nass entwirren willst, dann nur mit weit stehenden Stiften und ganz sanft.
- Von den Spitzen her. Erst die unteren Zentimeter entwirren, dann Stück für Stück höher. So verhaken sich weniger Haarschlaufen, und genau dort entsteht der meiste Bruch [3].
- Langsam führen. Etwa eine Handbreit pro Sekunde [6]. Bei einem Knoten anhalten, nicht durchziehen.
- Strapaziertes Haar besonders sanft. Gefärbtes oder geschädigtes Haar reibt stärker [8] und braucht weniger und ruhigere Züge.
- Bürste sauber halten. Haare regelmässig entfernen, die Bürste nach dem Waschen gut trocknen lassen. Auch Holz trägt Keime, wenn es feucht bleibt [9].
Zusammenfassung: Schonend bürsten
Trocken, von den Spitzen her, langsam. Strapaziertes Haar besonders sanft, und die Bürste sauber und trocken halten.
6. Welche Bürste passt zu Dir?
Die Bürste entscheidet mit, wie viel vom Nutzen Du bekommst. Für die Talgverteilung braucht es eine tierische Borste mit Schuppenstruktur [1]. Wer vegan bürsten will oder sehr dichtes Haar hat, greift zu einer festeren Pflanzenfaser. Zum Entwirren nach dem Waschen eignen sich weit stehende Holzstifte.
Haarbürste Wildschweinborsten
Mittel-fest. Die Schuppenstruktur der Borste verteilt den Talg in die Längen [1]. Für feines bis normales Haar und den täglichen Durchgang am Morgen.
Zum Produkt
Haarbürste Tampico
Fest und vegan. Die kräftigere Pflanzenfaser für dichtes Haar und alle, die ohne tierische Borste bürsten möchten.
Zum Produkt
Paddle-Haarbürste Holzstifte
Fest und vegan, mit weit stehenden Stiften aus Hainbuche. Zum sanften Entwirren nach dem Waschen, wenn ein Kamm nicht zur Hand ist.
Zum ProduktWelche Borste im Detail was kann, liest Du im Vergleich Wildschweinborste vs. Tampico-Faser.
Zusammenfassung: Die richtige Bürste
Wildschweinborste für die Talgverteilung, Tampico für vegane Pflege und dichtes Haar, Holzstifte zum sanften Entwirren nach dem Waschen.
7. Häufig gestellte Fragen
Ist tägliches Haare bürsten gesund?
Ja, wenn es kurz und sanft bleibt. Einmal täglich verteilt eine tierische Borste den Talg in die Längen [1]. Langes oder grobes Bürsten trägt dagegen Schutzschicht ab und bricht Haare [2] [3].
Wie oft am Tag sollte ich meine Haare bürsten?
Für die meisten reichen ein bis zwei kurze Durchgänge: morgens zum Entwirren, abends bei Bedarf. Eine Studie mit einer idealen Zahl gibt es nicht, seltener bürsten hiess aber weniger ausgefallene Haare [4].
Muss ich 100 Mal bürsten, damit die Haare glänzen?
Nein. Glanz entsteht, weil die tierische Borste den Talg verteilt [1]. Dafür genügen wenige ruhige Züge von der Kopfhaut bis in die Spitzen.
Hilft Haare bürsten gegen Haarausfall?
Nein, dafür gibt es keinen Beleg. 50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren ist normal [10]. Wenn deutlich mehr ausfallen, lass das dermatologisch abklären.
Darf ich nasse Haare bürsten?
Besser nicht. Nasses Haar gibt früher nach [7]. Nimm einen grobzinkigen Kamm [11] oder eine Bürste mit weit stehenden Stiften und entwirre sanft von den Spitzen her.
Weniger bürsten, besser bürsten
Naturborste, Pflanzenfaser oder Holzstift: Unsere Haarbürsten haben Griffe aus FSC-zertifiziertem Holz und sind für Jahre gemacht.
Quellen und weiterlesen
Wissenschaftliche Belege
- Robbins (2012), Chemical and Physical Behavior of Human Hair, Springer; Gao et al. (2019). Tierische Borsten verteilen Talg entlang des Haars. Einordnung S8 · Quelle
- Weiand et al. (2025), Understanding and controlling the friction of human hair, Advances in Colloid and Interface Science. Bürsten und Kämmen tragen die Lipidschicht ab. Einordnung S24 · Quelle
- Robbins & Kamath (2007), Hair breakage during combing. IV. Brushing and combing hair, Journal of Cosmetic Science. Laborstudie an Haarfasern. Einordnung S45 · Quelle
- Kiderman et al. (2009), Journal of Dermatological Treatment. 14 Frauen, nicht randomisiert: seltener bürsten, weniger Haarverlust. Einordnung S26 · Quelle
- Kim et al. (2016), Journal of Physical Therapy Science. Handmassage der Kopfhaut, 34 Frauen, 10 Wochen. Einordnung S18 · Quelle
- Perini et al. (2015), Frontiers in Behavioral Neuroscience. Streichgeschwindigkeit und angenehme Berührung. Einordnung S56 · Quelle
- Yu et al. (2017), Structure and mechanical behavior of human hair, Materials Science and Engineering C. Nasses, warmes Haar gibt früher nach. Einordnung S19 · Quelle
- Bhushan et al. (2005), Friction and wear studies of human hair and skin, Wear. Geschädigtes Haar reibt stärker. Einordnung S23 · Quelle
- Tomičić et al. (2020), Wood Science and Technology. Keime haften auch an Holzoberflächen. Einordnung S60 · Quelle
- American Academy of Dermatology: Do you have hair loss or hair shedding? 50 bis 100 Haare am Tag zu verlieren ist normal. Einordnung S82 · Quelle
- American Academy of Dermatology: Tips for healthy hair. Nasses Haar mit grobzinkigem Kamm entwirren. Einordnung S83 · Quelle




















